
Berghunde sind mehr als nur starke Vierbeiner. Sie verbinden Kraft, Ausdauer und einen ausgeprägten Beschützerinstinkt mit einem friedlichen Familiencharakter. In den Alpenregionen Österreichs, aber auch in der gesamten Bergwelt, haben Berghunde seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle: Sie ziehen Lasten, schützen Herden, suchen Vermisste und begleiten Menschen in rauen Geländebedingungen. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch die Welt der Berghunde, erklärt, was Berghunde ausmacht, stellt wichtige Rassen vor und gibt praxisnahe Tipps zu Haltung, Pflege, Training und Gesundheit. Wer sich für Berghunde interessiert oder eine passende Fellnase für bergige Lebensweisen sucht, findet hier fundierte Informationen, klare Unterschiede zwischen den Rassen und hilfreiche Ratschläge für ein harmonisches Zusammenleben.
Was sind Berghunde? Definition, Merkmale und typischer Einsatz
Berghunde sind Hunderassen, die speziell für das Leben in bergigem Gelände gezüchtet wurden. Ihre Merkmale sind Anpassungsfähigkeit an Kälte, künstlerische Trittsicherheit, große Ausdauer und ein ausgeprägter Orientierungssinn. Oft verfügen Berghunde über eine robuste Konstitution, gut entwickelte Muskulatur, eine wetterfeste Fellbeschaffenheit und eine Ruhe, die auch in stressigen Bergsituationen erhalten bleibt. Wichtig ist außerdem eine enge Bindung an ihre Menschen, gepaart mit einer gewissen Unabhängigkeit – Eigenschaften, die es erlauben, in steilem Terrain Entscheidungen zu treffen, ohne ständig dominiert oder kontrolliert zu werden. In der Praxis bedeutet dies: Berghunde können steile Wanderwege bewältigen, tragen oder ziehen Lasten, bewachen Siedlungen oder Dörfer und unterstützen Rettungskräfte in alpinen Notlagen. Gleichzeitig verstehen sie sich zumeist gut mit Kindern und anderen Haustieren, vorausgesetzt, sie erhalten frühzeitig eine angemessene Sozialisation und regelmäßige, klare Anleitung.
In der modernen Haltung zeigt sich oft eine Doppelrolle: Einerseits sind Berghunde treue Familienhunde und sportliche Begleiter, andererseits bleiben sie leistungsbereite Arbeitstiere, die gerne einer sinnvollen Aufgabe nachgehen. Die Balance zwischen Bewegung, geistiger Anregung und Ruhezeiten ist entscheidend, damit Berghunde zufrieden und gesund bleiben. Wer die Potentiale eines Berghundes nutzen möchte, sollte die natürlichen Instinkte respektieren: Schutz, Orientierung, Loyalität und ein gewisses Maß an Wachsamkeit gehören zu den Kernmerkmalen.
Die Geschichte der Berghunde in Österreich und den Alpen
Die Alpenregionen Österreichs sind seit Jahrhunderten Schauplatz komplexer Wechselwirkungen zwischen Mensch, Tier und Bergland. Berghunde spielten eine entscheidende Rolle im Alltag der Bergbauern, Hirten und Schreiner, sie waren Wegbegleiter, Hüter und Helfer zugleich. Ein besonderer Fokus liegt hier auf der Verbindung zwischen den Schweizer Sennenhunden und den österreichischen Bergmählern, die ähnliche Aufgaben in alpinen Räumen übernahmen. Über Jahrzehnte hinweg entwickelten sich Rassen, die speziell an die alpinen Lebensbedingungen angepasst waren: kälteres Fell, robuste Gelenke, starke Pfoten, geduldige Natur und eine Bereitschaft, auch unter extremen Bedingungen leistungsfähig zu bleiben. Die Geschichte der Berghunde ist damit eng verknüpft mit der Kultur der Alpen, dem Bergbau und dem alpinen Tourismus. Heute erinnern uns Denkmalzeichnungen, Archivberichte und historische Schriften daran, wie vielseitig Berghunde damals wie heute sein können: Wächter, Helfer, treue Begleiter und sportliche Partner zugleich.
In Österreich hat sich eine lebendige Zucht- und Zuchtpflege-Szene entwickelt, die Wert auf Gesundheit, Wesensfestigkeit und Alltagsnutzen legt. Die moderne Haltung verbindet traditionelle Aufgaben mit neuen Lebenswelten: Familienalltag, City-Wandern, Bergwanderungen und Rettungseinsätze in bergigen Landschaften. So bleiben Berghunde lebendige Brückenfiguren zwischen Vergangenheit und Gegenwart – frei von Zuchtwahn, aber voller Charakter und Einsatzfreude.
Wichtige Berghunde-Rassen
In der Alpenwelt erkennt man eine Reihe klassischer Berghunde-Rassen, die besonders in Bergregionen verbreitet sind. Hier stellen wir vier bedeutende Vertreter vor, die in der Praxis häufig als Berghunde bezeichnet werden und die typische Eigenschaften ihrer Gattung anschaulich präsentieren. Die nachstehenden Rassen sind in vielen Familien, Zuchtstätten und Rettungsdiensten mit hoher Relevanz vertreten.
Bernhardiner (Saint Bernhard)
Der Bernhardiner gehört zu den bekanntesten Berghunde überhaupt. Seine markante Erscheinung, der dichte, wasserabweisende Mantel und der ruhige, ausgeglichene Charakter machen ihn zu einem bevorzugten Familien- und Rettungshund. Historisch verdankt der Bernhardiner seinen Ruhm den Klöstern in den Alpen, insbesondere am St. Bernhard-Pass, wo er als Such- und Rettungshund berühmt wurde. Typische Eigenschaften sind eine sanfte, geduldige Art, eine starke Bindung zur Familie und eine ausgeprägte Wachsamkeit gegenüber Fremden – ohne unnötige Aggression. Körperliche Merkmale wie eine große Kopfform, breite Brust und schwere Pfoten spiegeln die Lasten wider, die dieser Hund über Jahrhunderte tragen konnte. In der Praxis bedeutet das: Bernhardiner brauchen regelmäßige, ruhige Bewegung, viel soziale Interaktion und sinnvolle Aufgaben. Ihre Pflege erfordert regelmäßiges Bürsten, besonders im Fellwechsel, und gelegentliche Fellpflege am Halsbereich, wo sich unter dem Fell Schmutz sammeln kann.
Charakteristisch ist ihr ruhiges Temperament, gepaart mit einer gewissen Sturheit, die jedoch nie in Reizbarkeit kippt. Die Intelligenz des Bernhardiners zeigt sich in der Fähigkeit, komplexe Situationen zu erfassen und ruhig zu handeln, auch wenn die Umgebung hektisch ist. Aufgrund ihrer Größe benötigen Bernhardiner eine angemessene Erziehung und klare Grenzen ab dem Welpenalter. Wer einen Bernhardiner begrüßt, sollte Geduld mitbringen, denn die Entwicklung braucht Zeit. Gleichzeitig belohnen sich Treue und Geduld mit einer tiefen, unverbrüchlichen Bindung an die Familie, die Generationen überdauern kann.
Großer Schweizer Sennenhund (Greater Swiss Mountain Dog)
Der Große Schweizer Sennenhund gehört zu den vier klassischen Sennenhunden der Alpenregion. Er ist ein großer, schwerer Hund mit einem markanten schwarz-weißen Mantel und einer beeindruckenden Körperstatur. In der Alpenlandschaft zeigte sich der Große Schweizer als zuverlässiger Arbeitshund: Als Lastenträger, Wach- und Hirtenhund bewährte er sich in rauem Gelände ebenso wie in der Stadt. Typisch für diese Rasse sind ein sanfter, freundlicher Charakter, hohe Lernbereitschaft und eine ausgeprägte Bindung zur Familie. In der Haltung braucht der Große Schweizer regelmässige Bewegung, geistige Anregung und eine konsistente Erziehung, damit er nicht in Jagen oder apathischem Verhalten verharrt. Die Fellpflege erfordert regelmäßiges Bürsten, da der Mantel aus dichtem Haar aus zwei Lagen besteht. Aufgrund seiner Größe ist die Sozialisation wichtig: Der Hund muss früh lernen, mit Kindern, Besuchern und anderen Haustieren zurechtzukommen. Gesundheitlich kann der Große Schweizer Sennenhund zu moderaten Gelenkbelastungen neigen; regelmäßige tierärztliche Checks und eine angepasste Bewegung helfen, Problemen vorzubeugen.
In der Praxis ergänzt dieser Berghund eine Familie, die sportlich unterwegs ist, gerne wandert und Wert auf Ruhephasen ebenso legt wie auf sportliche Aktivitäten. Der Große Schweizer ist stolz, loyal und zuverlässig – Eigenschaften, die ihn zu einem beliebten Begleiter sowohl bei Bergtouren als auch im städtischen Umfeld machen.
Appenzeller Sennenhund
Der Appenzeller Sennenhund ist klein bis mittelgroß, kompakt gebaut und zeichnet sich durch einen lebhaften, aufgeweckten Charakter aus. In den Bergen ist er schnell, wendig und sehr wendig in unwegsamem Gelände. Typisch für diese Rasse ist eine hohe Intelligenz, die sich in Spurt- und Suchaufgaben sowie im Gehorsam zeigt. Appenzeller Sennenhunde sind sehr familienorientiert, benötigen aber eine konsequente, faire Erziehung, damit sie sich gut in das Haushaltsleben integrieren. Sie genießen geistige Herausforderungen: Agility, Obedience, Tricktraining und Suchaufgaben bieten ihnen sinnvolle Beschäftigung. In der Haltung sind regelmäßige Bewegungsrationen (tägliche Spaziergänge und längere Wanderungen) ideal. Das Fell verlangt regelmäßige Pflege, besonders bei regelmäßigen Outdoor-Aktivitäten, wo Staub und Schmutz leichter haften bleiben. Die Gesundheit der Appenzeller Sennenhunde ist in der Regel robust, doch wie viele aktive Berghunde profitieren sie von frühzeitiger Sozialisierung und kontrollierter Belastung, um Überreizungen zu vermeiden.
In der alpinen Lebenswelt zeigen Appenzeller Sennenhunde eine bemerkenswerte Mischung aus Temperament, Mut und anhänglicher Zuneigung. Wer die Nähe eines lustigen, aktiven Begleiters sucht, wird hier fündig. Die Rasse bietet sich besonders für Familien an, die gerne draußen sind und dem Hund viel Abwechslung und Training geben möchten.
Entlebucher Sennenhund
Der Entlebucher Sennenhund ist der kleinste der vier Schweizer Sennenhunde. Mit seiner kompakten Figur, dem markanten Dreiecks-Ohren-Schnitt und dem auffälligen Mantel zeichnet er sich durch Wendigkeit und Balance aus. Der Entlebucher ist ein intelligenter, wachsamer Hund, der eine enge Bindung zur Familie sucht. In bergigem Gelände zeigt er sich als schneller Boten-Dienstleister, als zuverlässiger Wachhund und als verlässlicher Begleiter auf langen Wanderungen. Der Charakter ist freundlich, manchmal etwas eigenwillig, aber stets lernbereit, sofern das Training konsistent und fair gestaltet wird. Pflege des Entlebuchers bedeutet regelmäßiges Bürsten, vor allem bei Fellwechsel, und eine konsequente Kontrolle der Pfoten- und Nagelpflege nach Wanderungen durch felsiges Gelände. Die Gesundheit ist üblicherweise robust, aber wie bei anderen aktiven Rassen sollten Gelenke, Rücken und Herz regelmäßig kontrolliert werden, besonders bei zunehmendem Alter und anspruchsvoller Belastung.
Charakter, Temperament und Eignung für Familien
Berghunde zeichnen sich durch eine Kombination aus Gelassenheit, Loyalität und Schutzinstinkt aus. Sie sind oft zutraulig, geduldig mit Kindern und zugleich wachsam gegenüber Fremden. Die genaue Balance von Ruhe und Aktivität variiert von Rasse zu Rasse, doch allen Berghunden gemein ist die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Lebensstile anzupassen – vorausgesetzt, sie erhalten ausreichend Bewegung, geistige Stimulation und klare Führungsstrukturen. Zuverlässige Erziehung, frühzeitige Sozialisation und konsequentes Training sind essenziell, um unerwünschtes Verhalten in jungen Jahren zu verhindern. Berghunde leben gerne in Familienstrukturen, in denen sie als Teil des Alltags betrachtet werden, nicht als bloße Arbeitsmaschine. Die richtige Mischung aus Nähe, Freiheit, Ruhezeiten und Bewegung ist der Schlüssel zum harmonischen Miteinander. Wenn Berghunde unterfordert sind, neigen sie zu Langeweile, die sich durch Unruhe, Kauen oder übermäßige Lautäußerungen äußern kann.
Wichtige Hinweise für Familien: Geduld, Wiederholungsfreudigkeit und positive Verstärkung tragen maßgeblich zum Lernerfolg bei. Berghunde reagieren gut auf klare Signale und liebevolle Zuwendung. Gleichzeitig benötigen sie Raum, um ein gesundes Maß an Unabhängigkeit zu wahren, insbesondere in bergigem Gelände oder bei Schutz-/Wertungsaufgaben. In der Praxis bedeutet dies: Strukturierte Tagesabläufe, regelmäßige Spiel- und Trainingszeiten, sowie ausreichende Ruhephasen sind entscheidend für das Wohlbefinden eines Berghundes in Familien.
Haltung, Pflege und Bewegung von Berghunden
Die Haltung von Berghunden erfordert eine ausgewogene Mischung aus Bewegung, Pflege und mentaler Stimulation. In bergigem Terrain gedeihen sie am besten, wenn sie regelmäßig an neugierigen Aufgaben arbeiten können: Trails, Suchspiele, Schlepp- oder Zugübungen, sowie Gehorsamsübungen helfen, den Körper fit und den Geist aktiv zu halten. Tägliche Bewegung in Form von langen Spaziergängen, Bergwanderungen oder Joggingrunden ist ideal. Dabei sollten Pausen eingeplant werden, damit der Hund sich erholen und Muskeln, Gelenke und Pfoten regenerieren können. In der Stadt oder in Wohngegenden sollten Besitzer darauf achten, dass Berghunde ausreichend Auslauf bekommen, um Frustrationen zu vermeiden. Ein gut trainierter Vierbeiner kann sich in beengten Räumen durchaus ruhig verhalten, doch die regelmäßige Auslastung bleibt unverändert wichtig.
Pflegeaspekte beinhalten regelmäßiges Bürsten, um Schmutz und lose Haare zu entfernen, sowie das Einschneiden der Krallen in regelmäßigen Abständen. Fellwechsel erfordert intensivere Pflege, oft mehrmals pro Jahr. Die Fellmuster der Berghunde variieren je nach Rasse – von dichten, wasserabweisenden Mänteln bis hin zu kurzen, glatten Haaren. Unabhängig vom Felltyp ist es ratsam, die Hautgesundheit zu beobachten und bei auffälligen Hautveränderungen einen Tierarzt aufzusuchen.
Beim Training steht die Bindung an den Menschen im Vordergrund. Positive Verstärkung, Lob und Belohnungen fördern das Lernen nachhaltig. Vermeiden Sie harte Strafen, denn Berghunde reagieren sensibel auf Druck und können Verhaltensweisen entwickeln, die schwer zu korrigieren sind. Ein konsistentes Trainingsprogramm mit klaren Regeln hilft, das Vertrauen zu stärken und die Zusammenarbeit zu verbessern. Besonders in bergigem Gelände ist es sinnvoll, das Training schrittweise zu steigern: Zuerst Grundkommandos, dann fortgeschrittene Übungen, schließlich anspruchsvolle Such- und Rettungsaufgaben oder Geländeläufe.
Ernährung und Gewicht
Die Ernährung von Berghunden hängt von Alter, Gewicht, Aktivitätsgrad und individuellen Bedürfnissen ab. Die meisten Berghunde benötigen eine hochwertige, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Proteinen, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen. Bei großen Rassen ist es wichtig, das Fütterungsvolumen moderat zu halten und eine schrittweise Umstellung bei neuen Futtersorten vorzunehmen, um Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden. Regelmäßige Fütterungszeiten unterstützen einen ruhigen Stoffwechsel und helfen, Übergewicht zu vermeiden – besonders bei Hunden, die weniger aktiv sind oder in städtischen Umgebungen leben.
Als Faustregel gilt: Wachsen Berghunde in jungen Jahren schnell heran, dann verbinden sich Wachstum und Belastung mit dem Risiko von Gelenkproblemen. Eine angepasste Kalorienzufuhr, kontrollierte Bewegung und regelmäßige tierärztliche Checks sind deshalb sinnvoll. Im Allgemeinen profitieren Berghunde von einer Mischung aus hochwertigem Trocken- oder Nassfutter, ergänzt durch frische Zutaten wie mageres Fleisch, Fisch, Gemüse und bestimmte Öle für gesunde Haut und Fell. Die individuelle Nährstoffzusammensetzung sollte im Dialog mit dem Tierarzt angepasst werden.
Gesundheit, typische Krankheiten und Prävention
Wie bei vielen großen und aktiven Hunderassen treten bei Berghunden Gelenk- und Knochenprobleme, insbesondere Hüftdysplasie, Arthrose und Rückenprobleme, häufiger auf. Eine präventive Gesundheitsvorsorge ist daher unverzichtbar: regelmäßige Bewegung, moderat steigende Belastungen, Gewichtsmanagement und frühzeitige tierärztliche Untersuchungen tragen wesentlich dazu bei, Beschwerden zu minimieren. Herz- und Kreislaufgesundheit, Augen- und Zahnpflege, sowie eine sorgfältige Hautpflege gehören ebenfalls zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge. Je nach Rasse variieren die spezifischen Risiken: Bernhardiner neigen zu Skelett- und Gelenkproblemen aufgrund der Großen Körpergröße, Appenzeller und Entlebucher benötigen besondere Aufmerksamkeit für Rücken- und Gelenkgesundheit, während Großer Schweizer Sennenhund ähnliche Gelenkprobleme aufweisen kann. Ein individuell abgestimmter Gesundheitsplan hilft, Beschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Zusätzliche Präventionsmaßnahmen umfassen geeignete Impfungen, Parasitenprophylaxe, regelmäßige Entwurmungen, Zahnpflege und die Kontrolle der Ohren- und Hautgesundheit. Gerade Berg- und Outdoor-Aktivitäten erhöhen das Risiko von Verletzungen durch scharfe Kanten, Dornen oder Sägespuren. Deshalb ist eine sorgfältige Nachsorge nach Wanderungen wichtig: Pfoten kontrollieren, Risse des Fellmantels untersuchen und bei Bedarf Pfotenschutz oder trockene, saubere Unterstände nutzen.
Trainingstipps für Berghunde
Ein effektives Training für Berghunde folgt einem strukturierten Plan, der Geduld, Konsequenz und positive Verstärkung vereint. Beginnen Sie mit grundlegenden Gehorsamsübungen wie Sitz, Platz, Hier oder bei gewünschten Ruhephasen. Positive Verstärkung – Lob, Leckerli oder Spiel – motiviert den Hund besonders gut. Gedanklich sollten Sie das Training in kurzen, aber intensiven Einheiten gestalten, um Frustrationen zu vermeiden. Im Berggebiet bietet es sich an, Grundlektionen mit Geländeelementen zu verbinden: Spurenlesen, Hindernisparcours und Orientierungsläufe trainieren nicht nur den Körper, sondern fördern auch den mentalen Fokus.
Wichtig ist zudem die Frühsozialisation: Schon als Welpe mit unterschiedlichen Geräuschen, Menschen, Orten und anderen Tieren vertraut machen. Dadurch lernt der Berghund flexibel auf neue Situationen zu reagieren – eine wichtige Fähigkeit in unvorhersehbaren Berglandschaften. Für Rettungs- oder Suchaufgaben gilt das Prinzip der schrittweisen Steigerung: Vom einfachen Geruchstraining bis zu komplexeren Suchaufgaben unter realistischen Bedingungen. In jedem Fall sollten Training und Bergabenteuer in einem sanften Tempo erfolgen, damit der Hund keine Überlastung erfährt.
Berghunde im Alltag: Von Bergpfad bis Wohnzimmer
Berghunde sind erstaunlich anpassungsfähig: In der Bergwelt können sie als zuverlässige Begleiter bei anspruchsvollen Wanderungen und Klettertagen fungieren, in städtischen Umgebungen zeigen sie sich oft ruhig, gemütlich und familienfreundlich. Sie benötigen jedoch klare Strukturen, regelmäßige Bewegung und mentale Stimulation. Die Balance zwischen Outdoor-Aktivitäten und Ruhezeiten ist essenziell: Nach einem intensiven Tag in den Bergen benötigen Berghunde eine Ausruhphase, in der sie sich entspannen, statt weiter aktiv belastet zu werden. In dicht bebauten Gebieten kann es sinnvoll sein, regelmäßig in grüne Parks zu gehen, damit der Hund seine Kräfte sinnvoll nutzen kann, ohne überbeansprucht zu werden.
Eine gelungene Integration in den Alltag gelingt am besten, wenn der Hund von Anfang an als Teil der Familie verstanden wird. Dazu gehört eine feste Routine, gemeinsames Training und viel liebevolle Zuwendung. So bleibt der Berghund nicht nur ein leistungsfähiger Begleiter im Gelände, sondern auch ein treuer Gefährte zu Hause, der Ruhe, Wärme und Sicherheit bietet.
Pflegehinweise im Überblick
- Regelmäßiges Bürsten je nach Felltyp (gedeckte Mäntel, dichte Unterwolle, kurzes Fell).
- Nagelpflege und Pfotenpflege besonders nach Wanderungen über felsiges Gelände.
- Gelegentliche Fellpflege am Hals- und Schulterbereich, um Verfilzungen zu vermeiden.
- Regelmäßige tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gemäß Plan.
- Ausreichend geistige Beschäftigung und abwechslungsreiches Training.
- Ausreichende Bewegung: Tägliche Spaziergänge plus längere Touren in den Bergen.
- Beobachtung der Gelenkgesundheit, besonders bei großen Rassen und älteren Hunden.
Rund um die Ernährung: Tipps für Berghunde
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Berghunden. Wählen Sie ein hochwertiges Futter, das dem Alter, der Aktivität und dem Gewicht des Hundes entspricht. Große Rassen profitieren oft von angepassten Mengen und häufigeren, kleineren Mahlzeiten, besonders während der Wachstumsphase, um das Skelettsystem zu unterstützen. Berghunde, die regelmäßig längere Bergtouren unternehmen oder schwere Lasten ziehen, benötigen möglicherweise einen höheren Proteinanteil und eine gezielte Fettzufuhr, um die Muskeln zuverlässig zu versorgen. Achten Sie darauf, Futterreste nach Aktivitäten zeitnah zu entfernen, um Verdauungsstörungen zu vermeiden. Ergänzungen wie Omega-3-Fettsäuren können Haut und Fell unterstützen, während Glucosamin und Chondroitin für Gelenkgesundheit sinnvoll sein können, insbesondere bei größeren Rassen. Konsultieren Sie vor größeren Ernährungsumstellungen stets den Tierarzt.
Fazit: Warum Berghunde heute noch so relevant sind
Berghunde verkörpern eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. Sie tragen Verantwortung, liefern Loyalität und beweisen gleichzeitig, dass Kraft mit Gelassenheit und Intelligenz harmonieren kann. Von der Geschichte der Alpen bis heute erfüllen Berghunde eine Vielzahl von Aufgaben: Sie begleiten Menschen auf langen Bergpfaden, fungieren als zuverlässige Wachhunde in Bergdörfern, unterstützen Rettungsteams bei Such- und Rettungsaktionen und bereichern das Familienleben mit ihrer Wärme und ihrem Humor. Wer sich für einen Berghund entscheidet, investiert in einen treuen Begleiter mit außergewöhnlicher Belastbarkeit, der sowohl in den Bergen als auch im Alltag eine starke Persönlichkeit zeigt. Die Wahl der richtigen Rasse hängt von den individuellen Lebensumständen, dem Aktivitätsniveau und der Bereitschaft ab, in Pflege, Training und Gesundheit zu investieren. Wer mit einem Berghund lebt, entdeckt nicht nur einen Vierbeiner, sondern einen treuen Freund, der die Berge und das Leben zu einem gemeinsamen Abenteuer macht.